Behandlung & Technik

Kieferorthopädische Geräte im Überblick

Aktualisiert: Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Kieferorthopädische Geräte lassen sich grob in feste Apparaturen (Brackets und Bögen), herausnehmbare Geräte (Aktivator, Aligner), knochenverändernde Apparaturen (Gaumennahterweiterung), Krafthilfen von außen (Headgear) und Stabilisatoren (Retainer) einteilen. Welches Gerät passt, hängt von Fehlstellung, Alter und Behandlungsziel ab.

In der Kieferorthopädie kommt nicht nur die klassische Zahnspange zum Einsatz. Je nach Fehlstellung, Alter und Behandlungsziel greift die Praxis auf sehr unterschiedliche Geräte zurück. Manche bewegen einzelne Zähne, andere formen den ganzen Kiefer, wieder andere sichern nur das Ergebnis. Dieser Überblick ordnet die wichtigsten Apparaturen ein und erklärt, wofür sie gedacht sind.

Was sind Brackets und wozu dienen sie?

Brackets sind kleine Plättchen, die auf jeden einzelnen Zahn geklebt werden und den Kern der festen Zahnspange bilden. Über sie werden die Zähne kontrolliert in ihre Zielposition bewegt. Sie gelten als das vielseitigste Mittel, um die meisten Zahnfehlstellungen präzise zu korrigieren.

Klassisch bestehen Brackets aus Metall. Wer eine unauffälligere Lösung möchte, kann zahnfarbene Keramikbrackets wählen. Eine Sonderform ist die Lingualtechnik, bei der die Brackets auf der Innenseite der Zähne sitzen und von außen praktisch unsichtbar sind.

Welche Rolle spielen Draht und Bögen?

Der Draht, in der Fachsprache Bogen genannt, verbindet die einzelnen Brackets miteinander und überträgt die eigentliche Kraft auf die Zähne. Er ist gewissermaßen der Motor der festen Spange, während die Brackets nur die Ansatzpunkte liefern.

Im Behandlungsverlauf werden nacheinander verschiedene Bögen eingesetzt. Zu Beginn sind sie sehr dünn und flexibel, später dicker und formstabiler, um die Zähne Schritt für Schritt genauer auszurichten. Der Bogen wird bei den Kontrollterminen regelmäßig nachgestellt oder ausgetauscht.

Was macht eine Gaumennahterweiterung?

Die Gaumennahterweiterung, kurz GNE, wird auch Palatinalapparat genannt. Sie verbreitert einen zu schmalen Oberkiefer, indem eine Schraube die noch nicht vollständig verwachsene Gaumennaht behutsam auseinanderdrückt. Dadurch entsteht mehr Platz für die Zähne und der Biss kann sich verbessern.

Weil die Naht mit zunehmendem Alter verknöchert, ist die GNE vor allem bei Kindern und Jugendlichen wirksam. Das Gerät sitzt fest am Gaumen und wird nach einem festen Schema über eine kleine Schraube aktiviert. Neben mehr Platz kann eine Erweiterung in bestimmten Fällen auch die Nasenatmung unterstützen.

Wozu dient ein Headgear oder eine Außenspange?

Der Headgear, auch Außenspange genannt, ist eine Apparatur, die zum Teil außerhalb des Mundes getragen wird und sich über Kopf oder Nacken abstützt. So lassen sich stärkere Kräfte aufbringen und das Wachstum des Oberkiefers lenken, etwa um einen stark vorstehenden Oberkiefer zu bremsen.

Weil die Außenspange nur außerhalb der Öffentlichkeit getragen wird, hängt der Erfolg stark von der Mitarbeit ab. Sie kommt heute gezielter zum Einsatz als früher, ist bei bestimmten Wachstumsproblemen aber weiterhin ein bewährtes Mittel.

Was ist ein Aktivator in der Funktionskieferorthopädie?

Der Aktivator ist ein herausnehmbares Gerät aus der Funktionskieferorthopädie und eines der ältesten Behandlungsmittel überhaupt. Er nutzt das Kieferwachstum und die Muskelkräfte, um Ober- und Unterkiefer in ein besseres Verhältnis zueinander zu bringen.

Der Aktivator wird vor allem in der Wachstumsphase eingesetzt, oft bei einem zurückliegenden Unterkiefer. Er wird meist nachts und für einige Stunden am Tag getragen. Auch hier gilt: Nur bei konsequentem Tragen kann das Gerät die gewünschte Wirkung entfalten.

Was sind Aligner und wann kommen sie infrage?

Aligner sind durchsichtige, herausnehmbare Kunststoffschienen, die als nahezu unsichtbare Alternative zur festen Spange dienen. Sie werden in einer Serie gefertigt und im Zwei-Wochen-Rhythmus gewechselt, wobei jede Schiene die Zähne ein kleines Stück weiter bewegt.

Damit Aligner wirken, müssen sie konsequent getragen werden, in der Regel 20 bis 22 Stunden pro Tag, und nur zum Essen und Zähneputzen herausgenommen werden. Sie eignen sich gut für leichte bis mittlere Fehlstellungen. Bei komplexen Verschiebungen bleibt die feste Spange oft die genauere Lösung.

Warum ist der Retainer so wichtig?

Der Retainer stabilisiert die Zähne nach dem aktiven Teil der Behandlung. Ohne ihn neigen die Zähne dazu, sich langsam wieder in Richtung ihrer alten Position zu verschieben. Der Retainer sichert also das erreichte Ergebnis.

Es gibt festsitzende Retainer, meist ein dünner Draht auf der Innenseite der Frontzähne, und herausnehmbare Retentionsschienen. Häufig werden beide Varianten kombiniert. Die Retentionsphase dauert lange, oft über Jahre, und gehört fest zu jeder erfolgreichen Behandlung.

Häufige Fragen

Welches kieferorthopädische Gerät ist das richtige für mich?
Das entscheidet die Praxis nach einer Diagnostik. Feste Brackets sind am vielseitigsten, Aligner eignen sich für leichte bis mittlere Fälle, Geräte wie Gaumennahterweiterung oder Aktivator kommen vor allem im Wachstum zum Einsatz. Der Retainer folgt am Ende fast immer.
Sind herausnehmbare Geräte genauso wirksam wie feste?
Das hängt vom Fall ab. Herausnehmbare Geräte wie Aligner oder Aktivator sind wirksam, wenn sie diszipliniert getragen werden. Bei komplexen Zahnfehlstellungen ist die feste Spange mit Brackets meist präziser.
Wie lange muss ich einen Retainer tragen?
In der Regel sehr lange, oft über mehrere Jahre und teils dauerhaft. Der Retainer verhindert, dass sich die Zähne nach der Behandlung wieder verschieben. Die konkrete Empfehlung gibt Ihre Praxis.

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